100 Jahre Kantorei St. Nikolai - dieses Jubiläum konnte die Kantorei im Jahre 2001 feiern. Bemerkenswertes aus den ersten fünfzig Jahren können Sie hier auf dieser Seite nachlesen, gefunden in den Niederschriften der Versammlungen.

Gründung
Nachdem sich in der Gemeinde Elmshorn seit Jahren das Bedürfnis der Mitwirkung eines Kirchenchores bei den Gottesdiensten in der Hauptkirche gezeigt, machten sich einige Gemeindeglieder ans Werk, wenn möglich einen solchen zu gründen, und gelang es eine Reihe gesangkundiger Damen und Herren aus der Gemeinde für diesen Zweck zu interessieren. (...) Zum 27. Juni 1901 abends 8 1/2 Uhr luden die Herren Andresen und Burmeister eine Anzahl Damen und Herren ein zu einer näheren Besprechung im Betsaal. (...) Auf Ansuchen der beiden vorher erwähnten Gemeindeglieder hatte Herr Pastor Maaß die Begrüßung der Erschienenen übernommen, in dem er die Bedingungen beleuchtete, unter denen ein solcher Chor nur zum Zweck und Segen proben könne. Außerdem brachte er auch die Bildung eines Vorstandes zur geschäftlichen Leitung des Chores in Erwägung, indem er speziell die Herren Andresen, Burmeister und Wilcke vorschlug.... Dann nahm Herr Andresen das Wort und dankte den Erschienenen für das zahlreiche Erscheinen und bekundete im VVesentlichen, dass es sich zunächst um die Erforschung der Noten handele. Er hub hervor, dass man das Liederbuch von J. Heim, das Choralbuch, vorgeschlagen habe. Alle Anwesenden teilten die Ansicht, dass das Liederbuch von J. Heim sich am besten eignen würde. Als Gesangsübungszeit wurde aus der Versammlung der Donnerstag Abend jeder Woche vorgeschlagen. Nach kurzer Verhandlung wurde also an diesem Abend der Kirchenchor gegründet. Als Dirigent wurde engagiert Herr Musiklehrer Christian Dohrn, Elmshorn.

1901
Schließlich teilte Herr Burmeister den Mitgliedern noch mit, dass von verschiedenen Seitender Wunsch geäußert sei, die Übungen in Anbetracht des religiösen Zweckes, den der Kirchenchor doch nur verfolge, mit Gebet zu beginnen und zu schließen. Die Mitglieder waren damit einverstanden und Herr Hauptpastor Maaß, der nicht zugegen war in der Versammlung, erklärte sich auf Anfragen bereit, das Gebet zu übernehmen. An die Öffentlichkeit trat der Chor zum ersten Male am Erntedankfest am 28. September 1901 und dann weiter am 6. Oktober (Missionsgottesdienst), Konfirmationsfest am 3. November. Hierauf wurde wieder geübt, um am Weihnachts- und Neujahrsfest mitwirken zu können. Der ganze Chor sang am ersten Weihnachtstag, Silversterabend und am Neujahrstag, während am Weihnachtsabend wegen Verhinderung der meisten Mitglieder ein zusammengestelltes Quartett sang.

1905
Beschlossen wurde, das Gehalt des Dirigenten Herrn Dohrn vom 1. Januar 1905 von 150 auf 200 Mark zu erhöhen. Der Monatsbeitrag von 20 Pf. für die Herren und 10 Pf. für die Damen wurde beibehalten. Das Jahresfest mit einem Ausflug soll am 27 Juni als dem Gründungstag des Kirchenchores gefeiert werden. Die Gesangsübung an jedem Donnerstag sollen ab 8.00 Uhr an beginnen mit der Bitte an die Mitglieder, die Übungsabende recht regelmäßig zu besuchen und neue Mitglieder für den Chor zu werben, schloss der Vorsitzende die Generalversammlung.

1907
Wie aus nebenstehender Tabelle ersichtlich, hat der Chor im verflossenen Jahr zwanzig mal bei den Gottesdiensten in der Hauptkirche mitgewirkt. An neuen Gesangsstücken wurde eingeübt und zum Vortrag gebracht: Gebhardt: "Golgatha"; Bach: "0 Haupt voll Blut und Wunden"; "Preis ihm, er schuf und er erhält"; dann ein neues Pfingstlied: "Laßt Maien uns bereiten"; die Hymne von Gluck "Leih aus deines Himmels Höhen" die beiden Motetten "Selig sind die Toten (46)"; "Siehe, ich verkündige euch große Freude" aus den Festglocken; und zum Schluss den Gebhardtschen Psalm "Die mit Tränen säen". Das sind acht neue Lieder gesungen gegen nur fünf im Vorjahr. Am 30. Juni wurde ein gemeinschaftlicher Besuch des Hagenbeckschen Tiergartens in Stellingen gemacht. Und am 30. August ein Abendspaziergang nach Sibirien. Während bei dem ersten Ausflug der Gesang eigentlich nicht recht zur Geltung kam, war es doch hier im vollsten Sinne etwas mehr fürs Auge. All das Großartige dieses modernen biologischen Gartens hier zu schildern, mangelt es an Raum. So kam der Gesang an dem schönen Spätsommerabend in Sibirien voll und ganz zu seinem Recht. Auch war die Beteiligung hier eine Allgemeinere. In der freundlichen Veranda des Herrn Thormählen hatten sich die Teilnehmer, ca. 40 Personen, zwanglos niedergelassen. Für gute Bewirtung sorgten Hr. Thormählen und Frau aufs beste. Chorgesang und sonstige Gesänge und musikalische Vorträge wechselten miteinander ab und fanden durchweg ein dankbares Publikum. Den Schluss des schönen Abends bildete ein Spaziergang um den See bei Laternenschein und Feuerwerk.

1908
Zunächst empfahl der 1. Vorsitzende Herr Burmeister zwecks Gewinnung neuer Mitglieder in den hiesigen Tagesblättern zu inserieren. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen. (...) Nun folgte ein Antrag des Kassierers Herrn Wendt Organisation der Liederkommission. Wenn letzterer dem Chor zum Singen gereichen sollte, dann müsste dieselbe mehr tun. Es wurde nun beschlossen, künftig in regelmäßigen kürzeren Zwischenräumen, etwa alle vier Wochen, zusammenzutreten und geeignete Stücke auszuwählen, die dem Dirigenten zur Prüfung und dem Vorsitzenden zur geeigneten Verwendung vorgelegt werden.

1911
Ein besonderer Tag war für den Chor der Bußtag am 22. November, an welchem Tage wir seit längerer Zeit einmal wieder unter Mitwirkung von Solisten ein Kirchenkonzert in der Aula des Realgymnasiums geben konnten. Vom Chor selbst gelangte zur Aufführung eine Kantate von Johannes Brahms. Das Konzert ist in jeder Beziehung für den Chor als gut verlaufen zu bezeichnen. Auch der pecuniäre Erfolg war ein erfreulicher, so dass der Chor sich veranlasse sah, seinem Dirigenten, Herrn Feddersen, außer herzlichem Dank für gehabte Arbeit des Einstudierens eine besondere Zuwendung von 50 M zu machen.

1913
Leider machte sich im letzten Halbjahr 1913 die immer mehr abnehmende Stimmenzahl unseres Männerchores schmerzlich bemerkbar. Beim Verlesen dieser kurzen Zeilen sind wir im Begriff, Beschluss darüber zu fassen, ob unser Kirchenchor bei der jetzigen Besetzung weiter bestehen kann und soll. Wie der Beschluss auch ausfallen wird, der Schreiber dieses wünscht einem eventuell neu zu errichtenden Kirchenchor nur Gutes und ist überzeugt davon, dass eine Auflösung dem Chor unter den jetzigen Umständen nur gut sein kann und dass sich auch an unserem Kirchenchor das Wort des Dichters bewahrheiten wird "Neues Leben blüht aus Ruinen".

1914
Das letzte Ziel unserer bescheidenen Tätigkeit ist der Friede. Deshalb wird sich unser Werk immer nur einer Entwicklung freuen dürfen, deshalb wird unsere Arbeit auch nur Zweck und Ziel haben, wenn sie ausgeführt wird mit Gedanken des Friedens. Aus unserer Vereinskasse wurde dem Roten Kreuz und der Kriegshilfe je 10 M zugeführt. Die freie Zeit in den Übungsstunden haben die Damen unsere Kirchenchores dazu benutzt, um warme Strümpfe zu stricken für unsere brüderlichen Streiter in Feindesland.

1916
Ausflüge in der Sommerzeit und eine Jahresfeier im Winter, die in Friedenszeiten zur Grundlage fröhlichen Beisammenseins in ungebundener Form gemacht wurden, hat uns das geschiedene Jahr leider nicht bringen können. Lebhafte Farben im Trauergewand unserer gegenwärtigen Zeit müssten als eine Geschmacklosigkeit angesehen werden. Unsere Herzen sind beschwert. In den Herzen vieler unserer Brüder und Schwestern droht die Finsternis Raum zu nehmen. Das Licht des alten Evangeliums im Herzen tragend, wollen wir klein und gering mit Gottes Hilfe auch in diesem Jahr Licht hineingingen in die trüben Herzen, und die Gebetstauben hinaufflattern lassen zu den Bergen, von welchen Hilfe kommt mit der Bitte: lass die Freudenglocken klingen und die Engelchöre singen: "Bald soll werden Fried' auf Erden".

1924
Die geistige Not mit abzuhelfen, das soll auch unsere Aufgabe, Aufgabe des Kirchenchores, sein. Auch wir wollen teilnehmen am Wiederaufbau des Vaterlandes. Dazu verhelfe uns der Himmel.

1925
Nach 2-jähriger Unterbrechung veranstaltete der Kirchenchor wieder ein Konzert, und zwar am Bußtag. Die biblische Szene: "Pharisäer und Zöllner" sowie das schon vor längerer Zeit eingeübte Lied "Barmherzig und gütig" von Grell bildeten außer den noch gegebenen Orgel- und Altsoli den Mittelpunkt des Konzertes. Reger Zuspruch und viel Anklang waren unsere Ernte, Da die Männerstimmen, namentlich im Tenor, zu schwach besetzt sind, konnte ein Beschluß für ein Festkonzert anlässlich des 25jährigen Bestehens des Chores am 24. Juni 1926 nicht gefasst werden. Mit dem aus Gesundheitsrücksichten aus dem aktiven Chor scheidenden Herrn Gefall, hatte der Verein bereits im Februar seinen letzten Tenor verloren. Da der Chor viele Mitglieder enthält, die Sonntags von Beruf und bürgerlichen Flflichten abgehalten werden, den Gottesdiensten bis zum Schlusse beizuwohnen, ist es nicht immer möglich, dass der Chor bis zur Beendigung der Gottesdienste geschlossen in der Kirche bleibt. Herrn Hauptpastor Fengler, der am ersten Ostertage gelegentlich des morgendlichen Übens im Konfirmandensaale hierüber klagte, wurden vom Chorleiter und ersten Vorsitzenden die zwingenden Gründe dargelegt, so dass diese unangenehme Angelegenheit damit ihre Beendigung gefunden hat.

1931
Am 27. Juni anlässlich des 30jährigen Bestehens des Chores wurde ein Abendausflug nach Lieth gemacht. Die Gründer des Chores, die noch in Elmshorn anwesend waren, wurden eingeladen. Leider waren verschiedene Herren verhindert. Immerhin freute es uns, doch einige alte Mitbegründer begrüßen zu können. Nachdem die Wanderung durch die Tannen beendet war, fand man sich im Südpol bei einer Tasse Kaffee zusammen.

1933
Nach den großen Feiern mußte, da die Sänger und Sängerinnen nicht pünktlich erschienen, eine Strafe eingeführt werden. Für Verspätung von 10 Minuten wurden fünf Pfennig erhoben, weitere fünf Minuten zehn Pfennig. Wer ohne Entschuldigung fehlt, zahlt zwanzig Pfennig. Die Strafgelder kassiert Herr Rolfs ein. Zum 450. Geburtstage Dr. Martin Luthers war am 12. November eine Feier angesetzt, die wegen der Reichstagswahl bis zum 19. November verschoben wurde. Die Kirche war an diesem Tage besonders festlich geschmeckt. Der Chor sang morgens in der Kirche, abends zu der Lutherfeier in der Aula der Bismarckschule.

1935
Am 13. Januar, zu dem glänzenden Sieg von der Saar-Abstimmung, wurde Herr Feddersen von Herrn Pastor Fengler aufgefordert, am Gottesdienst mitzuwirken. Freudig sang der Chor ein Danklied. Am 28. Januar fand im "Karlstal" der beliebte Gemeindeabend von Herrn Pastor Hansstedt statt. Der Chor brachte auch hier einige gute Lieder zu Gehör. Ebenfalls wirkten wir am 14. Mai am Gemeindeabend von Herrn Pastor Hansstedt mit. Der Lichtbildervortrag von der Mission aus Japan fand am 8.Februar in der Kirche statt. Der Chor sang das Lied "Lobet den Herren, ihr Heiden all".

1947
Unsere Singabende konnten in der Aula wegen der Kälte nicht weiter fortgesetzt werden. Herr Rostock stellte uns einen geheizten Raum zur Verfügung und so übten wir fleißig weiter. Am 29. Juni ging es an einem sehr heißen Sommertag per Lastauto nach Itzehoe. In dem schönen Hotel Freudenthal fand eine gemütliche Kaffeetafel statt. Anschließend wurde ein Spaziergang durch den Wald gemacht. Als Abschluss gab es zum Abendbrot eine Bohnensuppe. Mit Gesang ging es wieder der Heimat zu und gern denken wir an diesen Sonntag zurück. An dem Singabend vor Weihnachten veranstaltete Herr Rostock in seinem Gemeinschaftsraum eine kleine Weihnachtsfeier verbunden mit einem prima Erbsensuppenessen. Wir ließen uns die Suppe gut schmecken und danken Herrn Rostock herzlich dafür. Beim festlich geschmückten Tannenbaum wurden Weihnachtslieder gesungen. Es herrschte eine recht vorweihnachtliche Stimmung.

1951
Am 1. Juli fand in der Kirche ein Festgottesdienst anlässlich des 50. Jubiläums statt. Herr Pastor Nalizinski hielt eine zu Herzen gehende Festandacht. Der Chor sang "der Herr ist mein Hirte". Aus der Rede des Herrn Feddersen zum 50. Jahrestag der Chorgründung: "50 Jahre sind eine lange Zeit, wenn man sie vor sich hat (denken Sie mal: 1951 bis 2001), aber kurz ist sie, wenn man zurückblickt. Mit 50 Jahren ist man noch nicht alt. Ich glaube, unser Verein fühlt sich noch recht jung. Gehen wir daher frisch, fromm und frei in die nächsten 50 Jahre hinein. Unserem Elmshorner Kirchenchor aber wünsche ich: vivat, crescat, floreat; zu deutsch: es lebe, wachse und blühe."